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Stop being a Smartphone-Addict! Mein Plädoyer für weniger Bildschirmzeit.

Manch einer wundert sich jetzt vielleicht, dass jemand, der von seinen beruflichen Wurzeln her ITler und im Herzen ein Technik-Freak ist, weniger Bildschirmzeit für eine gute Sache hält. Ich kann dazu nur sagen: als Ehemann, Familienvater und überhaupt als Mensch habe ich mich tatsächlich gefreut, als Apple den Screentime-Manager vorgestellt hat. Endlich mal ein Tool, das hilft, die ganze Daddelei der Kids zu organisieren. Und: wir alle sehen mal schwarz auf weiß, was wir da eigentlich treiben mit unserer Lebenszeit.

 

Jetzt ist sie da, die Bildschirmzeit-Wahrheit. Schwarz auf Weiß.

Bis jetzt konnten wir uns irgendwie noch einreden, dass es doch alles halb so wild ist mit der eigenen Smartphone-Sucht. Oder das wir die meiste Zeit nur “wichtige” Dinge, zum Beispiel Arbeit, damit erledigen. Mit dem iOS 12 hat Apple dieses Jahr etwas auf den Markt gebracht, das aus der Hand eines Smartphone Herstellers überrascht: nämlich “Screentime”: ein Tool, mit dem man die eigene Bildschirmzeit verwalten kann. Es gibt etwa App-Limits, Nicht-stören-Bedienelemente und vor allem wird – schön grafisch – die Dauer angezeigt, die man am Smartphone verbracht hat. Und auch, wie man sie genau verbracht hat: in Prozent kann man sehen, wieviel Zeit man anteilig zum Beispiel in Lesen oder in Social Media investiert hat.

Apple hat also ein Tool erfunden, mit dem wir uns ab sofort jeden Tag selbst erschrecken können. Positiv ist aber zu bemerken, dass die Marke damit die Mitverantwortung für ein Thema übernimmt, das wir alle nur zu gut kennen und das sich seit Beginn der Smartphone Ära immer mehr zum gesellschaftlichen Problem ausgewachsen hat: nämlich der automatische Griff zum Smartphone–  in jeder Lebenslage.

Die Keynote von Apple zu diesem Thema ist übrigens wirklich spannend, man kann sie hier ansehen (Bildschirmzeit ab Minute 47): https://www.apple.com/de/apple-events/june-2018/

 

Wollen wir 33 Tage Lebenszeit an unser Smartphone opfern?

Morgens geht es bei den meisten ja schon los: “Presto” oder irgendeinen anderer Klingelton ertönt neben dem Kopfkissen. In diesem Moment nimmt man das Smartphone zum ersten Mal in die Hand – und legt es ab dann nicht mehr wirklich weg. Mails checken im Bad beim Zähneputzen, Nachrichten lesen in der Küche beim Kaffee, dann freisprech-telefonieren im Auto. Den Tag über bleibt das Smartphone jederzeit griffbereit und wird in jedem Moment gezückt, in dem auch nur der leiseste Anflug von Langeweile droht: beim Warten auf die S-Bahn, im Wartezimmer beim Arzt, im Café, wenn das Gegenüber gerade nicht da – oder sogar, wenn es da ist:

Ich beobachte sogar im Freundeskreis, dass der ein oder andere eine Art “Zucken” entwickelt hat und selbst während einer Unterhaltung ohne besonderen Grund aufs Smartphone schaut – ja zum Teil sogar kurz E-Mails oder Facebook checkt.

Abends, wenn es ins Bett geht, schließt sich der Kreis: das Teil liegt wieder direkt nebendran auf dem Nachttisch. Studien belegen, dass Smartphone-Nutzer inzwischen auf 33 Tage – also mehr als einen Monat! – reine Smartphone-Zeit im Jahr kommen. Erschreckend, oder? Wollen wir so wirklich unsere Lebenszeit verbringen?  

 

Wasser predigen und Wein trinken – die Sache mit den Kids

Dabei fängt das Ganze schon im zarten Alter an: Bei jedem, der heute Kinder hat, ist die Frage, wann, was und wieviel mit dem Smartphone gemacht werden darf, ein never ending Drama. Hier ist das Screentime Tool mal eine echte Hilfe – denn bisher war man als Elternteil komplett auf sich allein gestellt mit dem Thema “Daddeln zeitlich eingrenzen”.

Gleichzeitig muss man sich aber auch mal die Frage stellen: warum nerven die Kids so damit? Von wem haben die das eigentlich? Man würde ja gern sagen, dass die kleinen Smartphone-Zombies sich das schlechte Verhalten nur bei Fremden abgeschaut haben. Wenn man aber mal ehrlich ist: auch hier fällt der Apfel meist nicht weit vom Stamm.

 

Wer ist hier jetzt eigentlich erwachsen? Krisen in der Smartphone-Verbot-Zone

Um die Screentime-Sache also mal gezielt in den Griff zu bekommen, haben wir bei uns zuhause inzwischen Smartphone-Verbot-Zonen eingeführt: den Esstisch und das Bett. Das gilt für alle: uns und unsere Kinder, deren und unsere Freunde. Und wir hatten fest damit gerechnet, dass die Kids als erste auf die Barrikaden gehen. Aber weit gefehlt: die Erwachsenen haben tatsächlich das größere Problem damit.

Üblicherweise verbringen wir die meiste Zeit mit unseren Freunden in einer Smartphone-Verbot-Zone: dem Esstisch. Das ist bei uns zuhause der Mittelpunkt. Pro Besuch gibt es schon mal eine „Ausnahme“ vom Verbot, weil einer „kurz was zeigen” möchte. Vor allem gibt aber jedes Mal viele klare Verstöße: nämlich wenn wir wieder einen dabei erwischen, wie er schnell (am besten noch heimlich unter’m Tisch) WhatsApp checkt. Wenn man mal ganz ehrlich ist: eigentlich schafft keiner unserer „erwachsenen Freunde“ diese einfache Regelung mit der Smartphone-freien Zone einzuhalten.

 

Fazit: Jetzt anfangen mit der Entwöhnung und den Vorsatz in 2019 mitnehmen

Leute, Hand auf’s Herz: wir alle haben irgendwie ein Problem mit der Smartphone-Obsession. Dass sogar Apple als Hersteller selbst einschreitet und ein Tool wie Screentime entwickelt, spricht Bände, was das Ausmaß des Problems angeht. Vielleicht ist jetzt gerade die Weihnachtszeit ein guter Moment, um mal in sich zu gehen und ganz ernsthaft den Vorsatz anzugehen, 2019 ein Leben zu führen, dass nicht nur vom Smartphone abhängt. In diesem Sinne: eine schöne Zeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr!