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Achtung TISAX: Homeoffice ohne Genehmigung nicht zulässig!

Du hast in den letzten Tagen Wunder vollbracht, über Nacht Dutzende oder Hunderte Homeoffice-Arbeitsplätze aus dem Boden gestampft, Collaborations-Infrastruktur zur Verfügung gestellt, alle Mitarbeiter verantwortungsvoll ins Homeoffice geschickt – und jetzt das: ein Schreiben deines Auftraggebers, das dich brüsk darüber informiert, dass dies nicht ohne weiteres zulässig ist.

Keine Panik! Mit ein paar einfachen Maßnahmen kannst du dieses Thema in den Griff bekommen. Weil es in diesen Zeiten schnell gehen muss, fange ich als erstes mit den konkreten Lösungen an. Wer mehr Details erfahren möchte, findet diese im Artikel weiter unten.



Fast Track: 1. Dokumentation, 2. Schulung, 3. Richtlinie


Wie bekomme ich meine Homeoffice-Arbeitsplätze schnell TISAX/DSGVO-konform?

  1. Führe eine genaue Dokumentation darüber, a) welche Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, b) für welchen Zeitraum und c) für welches Projekt. Am besten hinterlegst du diese Informationen in deinem HR-System (z.B. Personio) bzw. an der zentralen Stelle, an der bei dir die Mitarbeiter geführt werden.
  2. Alle Homeoffice-Mitarbeiter müssen eine Schulung zum Thema „DSGVO & TISAX im Homeoffice“ erhalten. Jeder Mitarbeiter muss schriftlich bestätigen, dass er an einer solchen Schulung teilgenommen hat.
  3. Du musst bestätigen können, dass alle Mitarbeiter im Homeoffice die Richtlinie „Informations- und IT-Sicherheit im Homeoffice“ einhalten. Das bedeutet beispielsweise: Zwei-Faktor-Authentifizierung, Bildschirmsperre, Aktenschredder.

Wie können wir dir dabei helfen?

Alle unsere Kunden der Nextwork-Academy bekommen heute noch über unsere Schulungsplattform Zugang zu einer speziell für diese Anforderung konzipierten Schulung „DSGVO & TISAX im Homeoffice“. Diese kannst du allen Mitarbeitern zur Verfügung stellen, wie immer mit Prüfungsfragen, Teilnahmezertifikat und alles automatisch dokumentiert.

Allen anderen stelle ich ab morgen diese Schulung kostenlos über Vimeo zur Verfügung. Die Dokumentation der Teilnahme aller Mitarbeiter musst du in diesem Fall selbst realisieren.



Deep Dive: Beispiel Volkswagen


In einer schriftlichen Mitteilung informiert derzeit u.a. Volkswagen alle seine Auftragnehmer mit einer TISAX-Freigabe über eine „Sonderregelung zu Homeoffice“.

In der Problemstellung heißt es:

„Aufgrund der außergewöhnlichen Umstände ist vermehrt damit zu rechnen, dass Partner ihre Mitarbeiter ins Homeoffice senden müssen, um die Auftragserfüllung für Volkswagen sicher zu stellen. Gemäß der abgeschlossenen Geheimhaltungsvereinbarung sowie der damit verbundenen Notwendigkeit zur Umsetzung des VDA ISA Standards, ist eine Arbeit im Home Office für Arbeiten an von Volkswagen als intern, vertraulich und/oder geheim klassifizierten Informationen nicht zulässig.“

Ab sofort kann/muss unter unten stehenden Voraussetzungen ein Antrag „Nutzung von s.g. Home Office Arbeitsplätzen aufgrund von ungewöhnlichen Umständen“ gestellt werden.

Voraussetzungen für die aktuelle Ausnahmeregelungen „Leistungserbringung im Home Office“ von Volkswagen:

1. Dokumentationspflicht

  • Der Partner hat eine Dokumentation darüber zu führen, welche Mitarbeiter im Home Office arbeiten.
  • Die Dokumentation muss folgende Punkte beinhalten: Name des Mitarbeiters, kurze Beschreibung der Leistungserbringung, Datum (Zeitraum) der Tätigkeit im Home Office.
  • Auf verlangen von Volkswagen ist Volkswagen Einsicht in die Dokumentation zu gewähren.

2. Sensibilisierung, Unterweisung und Verpflichtung der Mitarbeiter

  • Die im Home Office arbeitenden Mitarbeiter sind vorher explizit durch den Partner zur Einhaltung der Vertraulichkeit und der Informationssicherheit zu sensibilisieren und zu unterweisen.
  • Die Unterweisung der Mitarbeiter ist zu dokumentieren. Die Mitarbeiter haben die Belehrung (Sensibilisierung und Unterweisung) schriftlich zu bestätigen.
  • Auf verlangen von Volkswagen ist Volkswagen Einsicht in die Dokumentation zu gewähren.

3. Einhaltung der Maßnahmen zur Informations- und IT-Sicherheit

  • Alle zumutbaren Maßnahmen, entsprechend den Vorgaben der Volkswagen AG zur Informations- und IT-Sicherheit (Einhaltung des VDA ISA-Standards), sind durch den Partner eigenverantwortlich zu treffen.
  • Den Weisungen und Vorgaben der Volkswagen Konzern IT zu technischer Realisierung der Arbeitsfähigkeit aus dem Home Office (Remote Lösungen) ist nachzukommen. 

4. Bearbeitung von personenbezogenen Daten im Home Office

  • Für die Bearbeitung von personenbezogenen Daten im Home Office ist zusätzlich eine Abstimmung mit dem Volkswagen Datenschutz zu führen.

Das war erst der Anfang: Jetzt kommen Informationssicherheit für den Film – und ePrivacy in Kalifornien

2018 brachte die Datenschutzgrundverordnung, 2019 den neuen Standard für Informationssicherheit der deutschen Automobilindustrie: TISAX®. Wer glaubt, dass das alles gewesen sei, der irrt. 2020 nämlich, geht es direkt so weiter. Das nächste große Ding ist die Zertifizierung für die US-Film- und Fernsehindustrie – und wie üblich tarnt sich auch diese mit einer harmlosen Abkürzung: TPN (Trusted Partner Network). Wer jetzt noch denkt, nur die sicherheitsversessenen Deutschen würden sich mit Datenschutzthemen herumschlagen, irrt ebenfalls: Zum 01. Januar 2020 ist mit dem California Consumer Privacy Act (CCPA) in Kalifornien eine neue ePrivacy-Verordnung in Kraft getreten. 

Spätestens jetzt wird das große Muster deutlich erkennbar: DSGVO und TISAX waren keine Eintagsfliegen, einmalige Ausrutscher oder nerviger Bürokratiekram, der es Unternehmen schwer macht, den man aber irgendwann von der Liste streichen kann. Vielmehr ist das die Digitalisierung, die langsam ihr wahres Gesicht zeigt: Sie macht Dinge transparenter – aber eben auch überwachbar und überprüfbar. Das betrifft nicht nur Geldströme und Gesichtserkennung, sondern eben auch Strukturen und Prozesse in Unternehmen. Mein Rat lautet also: Wer sich bisher noch irgendwie davor drücken konnte, sollte spätestens jetzt anfangen, Maßnahmen zu Datenschutz und Informationssicherheit zu ergreifen. Denn diese Themen kann man weder „aussitzen“, noch werden sie irgendwann einfach „weggehen“.

Security made in Germany 

Man liest es dieser Tage an jeder Ecke: Deutschlands Wirtschaft geht den Bach runter – und Schuld soll auch die DSGVO sein. Sie mache Prozesse umständlich und lege damit unsere Unternehmen lahm. Gegen Länder wie China, die im Umgang mit Datenschutz und Informationssicherheit nicht als die strengsten gelten, hätten wir keine Chance. Ähnlich sieht das auch Serien-Entrepreneur und jahrelanger „Die Höhle der Löwen“-Investor Frank Thelen. 

Ich empfehle sein Buch „Frank Thelen – Die Autobiografie: Startup-DNA – Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern“ gerne, denn Frank Thelen stärkt den Unternehmergeist in diesem Land. Aber in diesem Punkt bin ich nicht seiner Meinung: Ich glaube, dass wir in Deutschland durch die EU-Richtlinie ein Bewusstsein für das Thema Datenschutz entwickelt haben – wir nehmen den Datenschutz ernst und haben bereits viele Erfahrungen in der Umsetzung gesammelt. Dadurch hat Deutschland jetzt die Chance, im Bereich Datenschutz und Informationssicherheit zum Vorreiter zu werden – ein Gütesiegel ähnlich dem Schweizer Bankgeheimnis. Endlich wieder ein neuer, heißer Wachstumsmarkt „made in Germany“.

Innovation durch Business-Frühjahrsputz

In unserer Grundlagen-Schulung „Foundation VDA ISA/TISAX“ vermitteln wir den Teilnehmern die wichtigsten Aspekte der Informationssicherheit. Wir beobachten dabei, dass in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem die Vertraulichkeit im Vordergrund steht. Dabei wurde ihr von den TISAX-Machern ein natürlicher Gegenspieler an die Seite gestellt: die Verfügbarkeit. Wer sich nur auf die Vertraulichkeit konzentriert und alle Zugänge mit einer 12-Faktor-Authentifizierung verschlüsselt, vernachlässigt die Verfügbarkeit. Die Folge: Das Team wird Schwierigkeiten haben, überhaupt noch zu arbeiten. Wenn aber Vertraulichkeit und Verfügbarkeit sich die Waage halten, wird das eigene Unternehmen nicht langsamer. Nur sicherer. 

Das ist aber noch nicht alles. Wer erst einmal die eigene Bockigkeit ob des von außen aufoktroyierten Compliance-Audits überwunden hat, kann das Ganze als Chance betrachten, das gesamte Unternehmen mit Fokus auf die Prozesse zu durchleuchten und fit fürs Digitalzeitalter zu machen. Das ist wie mit dem Frühjahrsputz oder bei einem Umzug, wenn man einmal durch alle Schränke durchgeht, Sachen aussortiert, die man nicht mehr braucht, und die Ordnungssysteme auf Vordermann bringt. Dieses tolle Ritual gibt es leider nur in Privathaushalten, nicht in Unternehmen. Dabei setzt es Potenziale frei, fördert Innovation und hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Man glaubt kaum, wie viel gewachsenes Chaos, Behelfslösungen, Improvisation und Kesselflickerei es in Unternehmen gibt. Genau die sind es, die das Unternehmen langsam und unproduktiv machen – und nicht der Datenschutz.

Wir sind nicht die Einzigen, sondern die Ersten: CCPA und TPN are coming 

Doch unabhängig davon, wie man den Umgang mit DSGVO und TISAX hierzulande bewertet, ist eines klar: Deutschland und die EU sind nicht die Einzigen, die sich mit diesen Themen beschäftigen. Wir waren eine ganze Zeit lang einfach nur die Ersten. 2020 setzte Kalifornien mit dem CCPA, dem „California Consumer Privacy Act“, gerade einen Verbraucherschutz um, der mit der ePrivacy-Verordnung vergleichbar und die in der EU sogar bisher gescheitert ist. (Allerdings nur bisher: Die ePrivacy-Verordnung (ePVO) ist nicht vom Tisch und kommt schätzungsweise 2021.) 

Das, was TISAX für die Automobilindustrie ist, ist TPN ab sofort für die US-Film- und Fernsehindustrie: Die „Trusted Partner Network“-Zertifizierung bestätigt die Sicherheit von Auftragnehmern, die für Auftraggeber wie Netflix arbeiten wollen. TPN ist dabei keine Zukunftsmusik: Wir bei Nextwork haben auf Basis unserer vielen Erfahrungen mit TISAX einen TPN-Anforderungskatalog entwickelt und unterstützen Kunden aktuell schon bei den ersten TPN-Zertifizierungen. 

Don’t panic: Wer anfängt, dem gelingt jedes Datenschutz- und Informationssicherheits-„Upgrade“ 

Wer jetzt denkt, dass ein Tsunami an Zertifizierungen auf uns zurollt, den kann ich beruhigen. Die gute Nachricht ist: Hat man einmal ein Datenschutz- oder Informationsmanagementsystem angelegt, ist es halb so wild, das „Upgrade“ zu einer komplexeren Zertifizierung zu schaffen. Denn die Anforderungen rund um Datenschutz und Informationssicherheit haben immer auch Gemeinsamkeiten. Wer von Null auf den TPN-Standard kommen möchte, wird es schwer haben. Denn TPN fordert noch mehr Maßnahmen als TISAX. Wer aber schon Maßnahmen rund um die DSGVO ergriffen hat, für den ist es schon viel leichter, sich etwa auf ein TISAX-Audit vorzubereiten. Und wer schon TISAX gemeistert hat, wird es nicht so schwer haben, sich beispielsweise auch für TPN zu zertifizieren. 

Daher mein Rat: Unbedingt anfangen. Besonders, wenn man mit dem eigenen Unternehmen auch international unterwegs ist. Denn: Die Bestimmungen werden nicht weniger werden. 

Abschließend aber noch ein echter Lichtblick für alle, die jetzt erst loslegen: In der Pionier- und Anfangsphase mussten die Unternehmen, und auch wir, noch viel lernen und ausprobieren, was die Umsetzungsmöglichkeiten rund um Datenschutz und Informationssicherheit angeht. Jetzt aber gibt es Prozesse und Systeme, die schon erprobt sind – und bei denen aus den Fehlern der Pioniere gelernt wurde.

Schulungsplattform »nextwork academy« rund um DSGVO und TISAX ist online

Mit eigenen Publikationen und Workshops zu Datenschutz und Informationssicherheit hat nextwork bereits eigene Formate zum Wissensaustausch etabliert. 2019 setzt das Unternehmen einen neuen Meilenstein – und teilt sein Experten-Kowhow ab sofort auf academy.nextwork.de: einer eigenen Schulungsplattform rund um DSGVO, ISO 27001 und TISAX. Für alle, die sich selbst informieren oder ihre Mitarbeitenden unkompliziert schulen wollen.

Datenschutz und Informationssicherheit gehören jetzt zum Alltag – und funktionieren nur, wenn sie in die Unternehmenskultur integriert werden.

„Datenschutz und Informationssicherheit sind keine Projekte, die ein Unternehmen irgendwann abschließen kann“, sagt Marco Peters, Gründer und Geschäftsführer von nextwork. „Diese Themen gehören ab jetzt zum Alltag jedes Unternehmens und werden auch nicht mehr verschwinden. Erfolgreich meistern kann man Datenschutz und Informationssicherheit nur, wenn sie langfristig in die Unternehmenskultur implementiert und von allen Mitarbeitenden gelebt werden.“ Nach mehreren Jahren als externe Informationssicherheitsbeauftragte für mittelständische Unternehmen und Konzerne in ganz Deutschland wissen die Experten von nextwork genau, wovon sie sprechen. Deshalb wissen sie auch: hat ein Unternehmen Maßnahmen zur DSGVO umgesetzt oder eine TISAX-Zertifizierung erhalten, ist ein wichtiges Etappenziel erreicht. Damit ist die Arbeit aber nicht getan, denn nun geht es darum, die Richtlinien im Alltag umzusetzen und dauerhaft einzuhalten. Dafür müssen alle Mitarbeitenden ins Boot geholt werden – und zwar nicht nur moralisch, sondern auch inhaltlich. Und genau hier kommen die Schulungen ins Spiel.

Ob fünf oder 50 000 Mitarbeitende: Mit Online-Schulungen erreicht man alle. Auch an unterschiedlichen Standorten gleichzeitig.

In der Praxis stehen Geschäftsführung sowie Datenschutz- und Informationsbeauftragte früher oder später vor der Herausforderung, alle ihre Mitarbeitenden schulen zu müssen. „Bei einem Unternehmen mit zwanzig Mitarbeitern mag die Organisation noch recht einfach sein – in einem Unternehmen mit einhundert Menschen wird es schon schwierig”, so Philipp Brändl, Berater für Informationssicherheit bei nextwork. „Auch die Fluktuation spielt eine Rolle: Jedes Mal, wenn neue Mitarbeitende ins Unternehmen eintreten, müssen auch diese
von Grund auf informiert werden. Weder wir noch unsere Kunden können diesen großen Bedarf durch Präsenzschulungen abdecken.“ Als lösungsorientiertes Unternehmen mit Wurzeln in der IT war dem Team von nextwork schnell klar, dass eine Online-Schulungsplattform der richtige Weg ist. Genauso schnell fanden die Experten aber auch heraus: Eine fertige Lösung, die ihrer eigenen Arbeitsweise entspricht, gab es dafür nicht. Also baute sich nextwork kurzerhand selbst eine Academy.

Die nextwork academy: nutzerfreundlich aufgebaut, erklärt und visualisiert

„Viele Schulungsmöglichkeiten, die man derzeit auf dem Markt findet, sind sehr komplex, kostenintensiv und visuell nicht so aufbereitet, wie wir und unsere Kunden uns das vorstellen“, so Marco Peters. „Was die nextwork academy auszeichnet, ist, dass sie komplett aus der Nutzerperspektive gedacht ist.“ Entsprechend ist jede Schulung so aufgebaut, dass sowohl Einsteiger als auch Verantwortliche die Themen verstehen – und dann vor allem auch in der Praxis umsetzen können. Zu der Leichtfüßigkeit, mit der die Videos daherkommen, tragen nicht nur viele intern entwickelte Grafiken bei, sondern auch eine authentische Tonspur, bei der auch mal ein Schmunzeln erlaubt ist. Datenschutz und Informationssicherheit sind auf den ersten Blick keine extrem attraktiven Themen. Mit der nextwork academy machen sie aber trotzdem Spaß – ein bisschen zumindest.

Mehr Infos bei nextwork:
www.nextwork.de/academy

Zwei Welten: Coworking und Datenschutz

„In unserem globalen Netzwerk von Arbeitsbereichen stehen persönliche Zusammenarbeit, gegenseitige Inspiration und Großzügigkeit an erster Stelle“, heißt es bei wework, einer der größten globalen Coworking-Anbieter (die dieses Jahr übrigens rund 4,4 Milliarden US-Dollar an Venture-Capital eingesammelt haben). Keine Frage, Coworking ist ein superheißer Trend. Alleine in Berlin gibt es weit über 100 Angebote dieser Art.

Der Trend geht über das reine Geschäftsmodell „Anbieten von Coworking-Space“ hinaus. Heute ist bei jedem modernen Bürobauprojekt Coworking bereits Standard. Es werden Flächen eingeplant, die ausgewiesenermaßen an Externe vermietet werden können. Ein prominentes Beispiel ist der neue Kreativcampus des Axel-Springer-Verlags in Berlin Mitte (Rem Kolhaas, Fertigstellung 2020): Hier umfasst die Planung CoworkingSpaces.

Auch Kreativagenturen werden zu Coworking-Space-Anbietern: Sie vermieten flexible Flächen an freie Projektteams und Freelancer unter. Am 19. Oktober 2017 verkündete Serviceplan hierzu den Launch eines Coworking-Angebots zusammen mit einer Hotelgruppe: RUBY und die Serviceplan Gruppe starten mit einem ersten gemeinsamen Coworking Space ein Joint Venture. Der Hotspot für kreatives, agiles und innovatives Arbeiten wird im Dezember 2017 eröffnet.

Schöne neue Welt des Coworkings

CoworkingSpaces kommen den „Grundbedürfnissen“ von Kreativen nach: schnelles Internet, 24-Stunden-Zugang, fette Drucker und Cappuccino aus der Siebträgermaschine. Aber sind Coworking-Spaces nicht noch mehr?

Vielleicht sind Coworking-Spaces heute das, was Agenturen in den 90er Jahren waren: Orte des unkomplizierten kreativen Austauschs, wo sich Creative Class, Hipster und Digitale Nomaden die Hand geben, immer ein mega angesagtes Projekt am Start. Wer einmal in einem Coworking-Space gearbeitet hat, weiß, dass hier andere Werte als in der gewöhnlichen, veralteten Arbeitswelt gelten: Kollaboration statt Silo-Denke, Flexibilität statt starre Struktur, Inspiration statt Hierarchien. Coworking ist nicht nur ein Trend, sondern ein Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie Menschen in Zukunft zusammenarbeiten.

Aber – Entschuldigung, dass ich jetzt der Spielverderber sein muss – wie ist das vereinbar mit den immer strenger werdenden Auflagen für Datenschutz und Informationssicherheit?

Der Gegentrend: TISAX und Datenschutz

In immer mehr Branchen wird von Unternehmen verlangt, eine Zertifizierung für die Erfüllung bestimmter Kriterien der Informationssicherheit einzuholen. Das betrifft etwa Agenturen und Zulieferer, die für die Automobilindustrie arbeiten. Sie brauchen ab 2018 ein TISAX-Zertifikat, ein von der Automobilindustrie definierter Standard für Informationssicherheit, um für Kunden wie VW oder BMW arbeiten zu dürfen. Ebenso relevant ist die Einhaltung der EU-Datenschutz-Grundverordnung, die den „Schutz der Grundrechte und Grundfreiheiten natürlicher Personen und insbesondere deren Recht auf Schutz personenbezogener Daten“ (Art. 1 Abs. 2 DSGVO) zum Ziel hat.

Das Problem mit dem Datenschutz in Coworking-Spaces

Betrachtet man das Arbeiten unter Einhaltung der Informationssicherheits- und Datenschutzrichtlinien im Vergleich zur kreativen Arbeit in einem Coworking-Space, wird schnell ersichtlich: Hier sind zwei gegensätzliche Kräfte am Werk. Denn offensichtlich kann man Informationssicherheit und Datenschutz in der freigeistigen Welt der Coworking-Spaces nur schwer gerecht werden.

In Unternehmen, die mit sensiblen Daten umgehen, werden die Mitarbeiter zum Thema Datenschutz geschult. Es gibt einen Standard, zu dem sich das Unternehmen verpflichtet hat, und Richtlinien, die Orientierung und Handlungsanweisungen geben. Für dessen Einhaltung werden auch die Voraussetzungen im Büro geschaffen. Doch was, wenn Mitarbeiter auch im Homeoffice oder in einem Coworking-Space arbeiten dürfen? Oder wenn man mit Freelancern zusammenarbeitet, die regelmäßig im Coworking-Space sitzen?

In den offenen Räumen eines Coworking-Spaces laufen stets andere Coworker um die Schreibtische herum und holen sich Kaffee. Es herrscht eine Atmosphäre des lockeren Austauschs. Man guckt ganz automatisch auch mal auf den Bildschirm des Sitznachbarn und sieht Kalender, E-Mails oder vertrauliche Dokumente. Sie werden ja auch offen auf dem Bildschirm angezeigt. In Gesprächen fallen die Namen der Kunden und Ansprechpartner – oder sogar Details aus einem Projekt, das einer Vertraulichkeitsvereinbarung unterliegt. Man geht zum Drucker und sieht die Dokumente eines anderen Coworkers im Druckerfach liegen. Oder man wirft einen Blick in den Mülleimer und sieht Ausdrucke mit sensiblen Daten, die jeder lesen kann.

All diese Szenarien sind in Coworking-Spaces Alltag. Sie zeigen: Datenschutz und Informationssicherheit sind im Coworking-Space noch nicht angekommen. Coworking-Spaces sind sozusagen eine „Grauzone“ der Informationssicherheit. Oder einfach ein gigantisches, potenzielles Datenloch.

Wie können sich Coworker richtig verhalten?

Um das nochmal zu betonen: Ich spreche hier von solchen Projekten, für die ein Coworker eine Geheimhaltung (NDA) unterschrieben hat. Der Auftraggeber hat ihn somit in die Pflicht genommen, bestimmte Auflagen einzuhalten. Falls diese nicht präsent sind, sollte man im Zweifel nochmal nachschauen. In den meisten NDAs stehen mittlerweile ziemlich strenge Auflagen drin, z. B. E-Mail-Verschlüsselung, Passwort-Politik oder Einschränkungen bzgl. Datenaustauschtools (z. B. kein WeTransfer). Als professioneller Coworker muss man sich des Themas bewusst sein und sich ggf. neue Verhaltensweisen angewöhnen.

Lösung für Coworker: Lass dir die entsprechende Richtlinie deines Auftraggebers zeigen. Meist heißt sie Richtlinie zur EDV-Nutzung, Informationssicherheitsrichtlinie oder Betriebsrichtlinie. Jede moderne, gut gemachte Richtlinie regelt beispielsweise auch mobiles Arbeiten: Wie telefoniere ich richtig am Flughafen oder im Zug? Wie arbeite ich im Flieger am Laptop? Was muss ich im Homeoffice beachten? Wie verwalte ich Passwörter? Wenn man diese Richtlinien einhält, kann man überall arbeiten, auch im Coworking-Space.

Wie können sich Unternehmen richtig verhalten?

Unternehmen müssen auf jeden Fall eine Richtlinie haben. Diese muss umfassend gedacht und gemacht sein. Idealerweise ist sie den sich ständig ändernden Realitäten der Arbeitswelt einen Schritt voraus. Eine moderne Informationssicherheitsrichtlinie regelt beispielsweise den immer wichtiger werdenden Themenbereich mobiles Arbeiten“.

Das reicht aber noch nicht aus, denn eine Richtlinie, die alles umfasst, aber von niemandem gelebt wird, hilft auch nicht weiter. Mein Ansatz hierbei ist vor allem: Das angestrebte Sicherheitsniveau kann nur dann erreicht werden, wenn man den Mitarbeitern praktische Werkzeuge und Handlungsbeispiele gibt, mit denen sie Richtlinien auch im Alltag umsetzen können

Lösung für Unternehmen: Ganz wichtig ist, dass diese Richtlinien eben nicht nur feste, sondern auch freie Mitarbeiter einhalten müssen (es reicht nicht, letzteren nur einen NDA hinzulegen). Das Thema Mobiles Arbeiten“ – und hier eben auch „Arbeiten im Coworking-Space“ – sollte praktikabel in die Richtlinie integriert werden.

So können denn auch diese beiden scheinbar unvereinbaren Kräfte, die unsere Arbeitswelt verändern, – Coworking und Datenschutz – friedlich miteinande coexistieren.

 

TISAX®: 4 Gründe, warum es für viele besser ist als ISO 27001

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Unternehmen mit Automobilmarken im Portfolio kennen das: Um für Kunden wie Audi, BMW oder VW arbeiten zu können, müssen sie seit 2014 in regelmäßigen Abständen nachweisen, dass sie den Informationssicherheitsstandards der Kunden gerecht werden. Ein notwendiges Übel, das für eine erfolgreiche Zusammenarbeit jedoch nicht vermeidbar war. Dass darunter auf Dauer das Tagesgeschäft leidet, musste hingenommen werden. Doch nun scheint eine Lösung für das Problem der immer wiederkehrenden Audits gefunden: Seit Anfang 2017 gibt es mit TISAX eine neue Form der Kontrolle. Eine gute Nachricht – und das gleich aus mehreren Gründen.

4 Vorteile von TISAX

 

  1. TISAX schlägt ISO 27001 und stichproben-Audits nach VDA Information Security Assessment (ISA)

    Viele Unternehmen mussten auf Wunsch ihrer Kunden bereits eine Auditierung über sich ergehen und sich stichprobenartig nach VDA Information Security Assessment (ISA) überprüfen lassen – mit oder ohne ISO-Zertifikat. Das wird sich nun ändern: Ab 2018 wird es für Automotive-Auftragnehmer nur noch eine einzige TISAX-Prüfung geben.

    Die weniger gute Nachricht dabei: TISAX prüft nicht mehr nur stichpunktartig, sondern alles im Detail.

    Die gute Nachricht: TISAX definiert erstmals einen gemeinsamen Nenner, der sämtliche Anforderungen aus dem VDA Information Security Assessment beinhaltet.

  2. Mit TISAX sind Unternehmen unabhängig in der Kundenakquise

    Unternehmen erreichen neue Kunden meist über Referenzen bzw. ihr Portfolio. Doch was passiert, wenn es die Informationssicherheitsauflagen sind, die plötzlich darüber entscheiden, ob eine neue Kundenbeziehung aufgebaut werden kann?

    Hier leistet TISAX einen entscheidenden Beitrag – denn mit der Zertifizierung wurde ein Standard geschaffen, der von allen VDA-Mitgliedern (z. B. Audi, BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz) anerkannt wird. Ein Kundenwechsel ist somit unkomplizierter möglich – beispielsweise wenn ein Unternehmen nach Jahren von BMW zu Audi wechselt. Dank TISAX muss man in solch einem Fall keinen neuen Maßnahmenkatalog erfüllen. Zum Vergleich: Mit der bisher stichprobenartigen VDA-ISA-Überprüfung kam bei einem Kundenwechsel erst einmal ein mehrmonatiges ISMS-Projekt zu, bevor sie überhaupt anfangen konnte, für den neuen Kunden zu arbeiten!

  3. Mit TISAX kommen Unternehmen schneller an den Auftrag

    Dass TISAX wirklich für alle Unternehmen, die für die großen Automobilhersteller arbeiten, Pflicht wird, ist bereits jetzt erkennbar. BMW hat bereits im Februar 2017 TISAX in seinen Einkaufsbedingungen hinterlegt. Branchen-Insider sind sich einig: Ab 2018 wird TISAX bei allen Automobilherstellern zwingende Voraussetzung für die Zusammenarbeit.

    Auch wenn TISAX Pflicht wird und zunächst als notwendiges Übel erscheint: Inhabern des Zertifikats werden die zusätzlichen Audits durch die einzelnen Automobilhersteller erspart bleiben. Auch wird der Freigabeprozess bis zur endgültigen Zusammenarbeit beschleunigt. Denn: Bei einer infrage kommenden Zusammenarbeit sprechen die Unternehmen üblicherweise mit dem Einkauf des Automobilherstellers. Bisher musste danach ein zeit- und kostenintensives Audit stattfinden. Mit TISAX hat man dagegen von Beginn an einen zuverlässigen Nachweis für den Einkauf – und erhält so eine schnellere Freigabe.

  4. TISAX ist das perfekte Qualitätssiegel gegenüber Industriekunden

    Aktuell ist TISAX ausschließlich für die Automobilbranche relevant. Doch die Chancen stehen gut, dass auch weitere Großkunden wie z. B. Telekom, Siemens, Lufthansa oder Allianz das Qualitätssiegel bei der Wahl ihrer Partner berücksichtigen werden.
    Denn auch deren Einkauf überprüft beim Screening, welche Zertifizierungen mit Blick auf die Informationssicherheit bei potenziellen Agenturpartnern vorhanden sind.

    Eine TISAX-Zertifizierung ist hier das beste Aushängeschild, um dem potenziellen Neukunden zu signalisieren, dass der Auftragsvergabe, zumindest was die Informationssicherheit angeht, nichts im Wege steht. Wer schnell ist, hat hier also einen echten Wettbewerbsvorteil.

Der richtige Zeitpunkt ist 2017: Das Zeitfenster für die Abkürzung zu TISAX 2018

Manchmal scheint Abwarten bei Neuerungen wie der TISAX-Zertifizierung die richtige Taktik. Doch diesmal nicht. Unternehmen sollten genau jetzt handeln! Warum? Die TISAX-Pflicht kommt 2018 – mit Sicherheit. Alle Unternehmen, die dieses Jahr noch ein VDA-ISA-Audit bestehen, bekommen das TISAX-Zertifikat mit Sternchen (sozusagen das kleine Zertifikat).

Wer das kleine bekommt, hat es später leichter, das große Zertifikat zu erhalten. Das ist mit weniger Aufwand und weniger Kosten verbunden. Noch mal ein Vergleich: Alleine das Vor-Ort-Audit findet bei der stichprobenartigen VDA-ISA-Prüfung im Regelfall an einem Tag statt. Die kommende Zertifizierung wird dagegen mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Mit einem TISAX-Zertifikat überholen Unternehmen die Wettbewerber, die bisher mit ihrem ISO-27001-Zertifikat punkten konnten! Ich kann Geschäftsführern daher nur empfehlen, noch dieses Jahr ein ISMS einzuführen und sich dem VDA-ISA-Audit zu unterziehen. Als TISAX-Zertifikatsinhaber der ersten Stunde kann man 2018 dann entspannt entgegenblicken.


Mehr Infos zu TISAX finden Sie unter folgenden Links:
nextwork, TISAX-Beratung
TISAX ENX Association