Im Mai haben wir noch 20 Jahre Nextwork gefeiert. Jetzt, nur wenige Monate später, schreibe ich über meinen Abschied. Ich habe Nextwork in neue Hände gegeben und werde es zum Ende des Jahres verlassen. Nextwork ist nun Teil von sequrio und ich halte keine Anteile mehr am Unternehmen. Meine Geschichte mit Nextwork ist allerdings noch etwas älter als Nextwork selbst. Sie begann bereits vor 25 Jahren mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit, aus der fünf Jahre später die Firma entstand, die damals noch Solutionbar hieß und später zu Nextwork wurde.
Das ist kein schrittweiser Rückzug und auch kein Abschied mit einer unsichtbaren Hand im Hintergrund. Ich werde das Unternehmen tatsächlich vollständig verlassen. Ich gehe nicht, weil etwas kaputt ist. Im Gegenteil: Nextwork steht heute so stark und eigenständig da wie vielleicht nie zuvor. Genau deshalb kann ich das Unternehmen jetzt loslassen. Leicht fällt mir dieser Schritt trotzdem nicht.
Ich möchte daraus keine vollständige Chronik machen. Dafür ist in den vergangenen Jahren schon einiges entstanden. Ich möchte auch nicht so tun, als ließe sich ein Vierteljahrhundert Unternehmertum in ein paar sauber sortierte Erkenntnisse zerlegen. Dafür war diese Reise zu widersprüchlich, zu persönlich und an manchen Stellen auch zu chaotisch. Ich möchte erzählen, wo diese Reise begonnen hat, was sie mit mir gemacht hat und warum jetzt der richtige Zeitpunkt für meinen Abschied gekommen ist.
Es begann nebenbei
Vor 25 Jahren war ich IT-Chef in einer Agentur. Neben meinem eigentlichen Job begann ich, auch andere Agenturen zu unterstützen. Ich bot IT-Services an und übernahm für einige Unternehmen praktisch die Rolle eines externen IT-Chefs.
Das war zunächst keine große Gründungsgeschichte. Es gab keinen ausgefeilten Businessplan, kein fertiges Bild von einem Unternehmen und auch keine strategische Vision für die nächsten 25 Jahre. Es gab meine Erfahrung, meine Freude an Technik und den Wunsch, Probleme zu lösen. Dazu kamen erste Aufträge, weitere Empfehlungen und irgendwann die Frage, ob daraus etwas Eigenständiges werden könnte.
2006 gründete ich aus dieser nebenberuflichen Selbstständigkeit heraus die Firma, die damals noch Solutionbar hieß und später zu Nextwork wurde. Der Start war deutlich komplizierter, als ich es damals erwartet hatte. Ich gründete nicht allein. Gleichzeitig war nicht ausreichend geklärt, wie das Unternehmen gesellschaftsrechtlich aufgebaut sein sollte und wer welche Rolle, Verantwortung und Perspektive hatte.
Heute würde ich vieles anders machen. Ich war damals ziemlich blauäugig. Ich habe offene Fragen nicht konsequent genug gestellt, Vereinbarungen nicht klar genug getroffen und darauf vertraut, dass sich die Dinge schon irgendwie sortieren würden. Ich dachte, die anderen Beteiligten wüssten, was sie tun. Und ich wollte vermutlich auch selbst nicht so genau hinschauen. Dieses Vertrauen reichte nicht.
Was als gemeinsamer Anfang gedacht war, entwickelte sich zu einer schwierigen Zeit. Ich musste um meinen Platz und letztlich auch um das Unternehmen kämpfen, das aus meiner Selbstständigkeit entstanden war. Dieser Kampf dauerte länger, als ich es mir gewünscht hätte. Er hat mich geprägt und mir früh gezeigt, dass Vertrauen und klare Vereinbarungen keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Wer wirklich vertrauen will, sollte vorher klären, worauf dieses Vertrauen eigentlich beruht.
Am Ende gelang es mir, Klarheit zu schaffen und das Unternehmen zu meinem Unternehmen zu machen. Das klingt im Rückblick vielleicht nüchtern. In dieser Zeit war es das nicht. Wenn die eigene Arbeit, die eigene Existenz und die eigenen Beziehungen kaum noch voneinander zu trennen sind, wird Unternehmertum sehr persönlich.
Viel Arbeit war lange meine einzige Antwort
Ich arbeite, seit ich 15 bin. Arbeit war für mich lange etwas, das vor allem durch Einsatz bewiesen wurde. Viel arbeiten bedeutete, Verantwortung zu übernehmen. Noch mehr zu arbeiten bedeutete offenbar, es besonders ernst zu meinen.
Also nahm ich in den ersten Jahren möglichst jeden Auftrag an. Ich wollte niemanden enttäuschen, löste Probleme selbst und arbeitete weiter, auch wenn eigentlich nichts mehr ging. Das Unternehmen wuchs. Und ich hielt dieses Wachstum lange für den Beweis, dass mein Weg richtig war.
Irgendwann zeigte mir mein Körper sehr deutlich, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich brach zusammen und wachte im Krankenhaus mit einem Tropf im Arm und einem Hörsturz wieder auf. Das war kein inspirierender Wendepunkt, den man sich im Rückblick schönreden sollte. Es war ein Zusammenbruch. Ich hatte mich selbst und meine Grenzen zu lange ignoriert.
Danach begann ich, das Unternehmen radikal umzubauen. Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen gesund und gerne arbeiten können. Mich eingeschlossen. Das war für mich der Wendepunkt von New Work bei Nextwork. Nicht als Methode, nicht als schicke Einrichtung und auch nicht als Marketingbegriff. Sondern als Konsequenz aus einer Erfahrung, die ich nicht wiederholen wollte. Das Nextwork, das viele heute kennen, entstand erst danach.
Natürlich war auch diese Entwicklung nicht geradlinig. In 25 Jahren gab es große Erfolge, wunderbare Begegnungen und Momente, in denen ich kaum glauben konnte, was aus meiner kleinen nebenberuflichen Selbstständigkeit geworden war. Es gab aber auch Krisen, falsche Entscheidungen, Enttäuschungen und Zeiten, in denen ich nicht wusste, ob und wie es weitergehen würde.
Mehrmals haben wir das Unternehmen grundlegend verändert und neu erfunden. All das hat mich stolz gemacht. Es hat aber auch viel Kraft gekostet. Trotzdem möchte ich beim Rückblick nicht so tun, als sei diese Reise vor allem schwer gewesen. Das wäre nicht ehrlich. Die meiste Zeit war sie großartig. Nextwork wurde mein Lieblingsort, meine zweite Familie und ein wesentlicher Teil meines Lebens.
Aus meiner Idee wurde unser Unternehmen
Über viele Jahre waren Nextwork und ich kaum voneinander zu trennen. Vieles im Unternehmen entstand aus meinen Erfahrungen, meinen Überzeugungen und manchmal auch aus meinen Fehlern. Mit der Zeit wurde Nextwork größer, professioneller und eigenständiger. Menschen kamen dazu, übernahmen Verantwortung, brachten eigene Ideen ein und prägten das Unternehmen auf ihre Weise. Aus meiner Idee wurde unser Unternehmen. Genau das hatte ich mir gewünscht. Und trotzdem musste ich erst lernen, was dieser Satz wirklich bedeutet.
Ein Unternehmen gehört nicht automatisch für immer zu der Person, die es gegründet hat. Es kann sich verändern. Es kann andere Schwerpunkte entwickeln. Es kann Entscheidungen treffen, die sie selbst vielleicht nicht so getroffen hätte. Das ist nicht unbedingt ein Verlust. Es ist ein Zeichen dafür, dass etwas Eigenständiges entstanden ist.
Mein Weg zum part-time CEO war deshalb nie nur der Versuch, weniger zu arbeiten. Ich wollte Nextwork bewusst weniger abhängig von mir machen. Ich wollte Verantwortung abgeben, ohne mich aus Verantwortung herauszustehlen. Andere sollten nicht nur Aufgaben übernehmen, sondern echte Entscheidungen treffen können.
Das war für mich der eigentliche Kern von New Work: nicht möglichst viele Freiheiten auf dem Papier, sondern mehr Selbstständigkeit in der Realität. Rückblickend habe ich damit über Jahre hinweg auch meinen eigenen Abschied vorbereitet, ohne ihn damals bereits so zu nennen.
Je mehr Verantwortung andere Menschen übernahmen, desto weniger musste jede Antwort von mir kommen. Nicht jede Entwicklung musste mehr von mir ausgehen. Nicht jede Entscheidung musste meine sein. Und nicht jeder Raum brauchte mich noch in derselben Weise wie früher.
Das war manchmal ungewohnt. Ich musste aushalten, dass Dinge anders gemacht wurden, als ich sie gemacht hätte. Ich musste lernen, zwischen wirklich wichtigen Fragen und meinem eigenen Bedürfnis zu unterscheiden, noch Einfluss zu nehmen. Das ist für Gründerinnen und Gründer nicht immer einfach. Man hat ein Unternehmen aufgebaut und erkennt sich in vielen Teilen darin wieder. Gleichzeitig kann genau diese Nähe verhindern, dass das Unternehmen sich vollständig entwickelt.
Das Unternehmen bleibt in den Händen des Teams
Wenn ich heute sage, dass Nextwork eigenständig geworden ist, dann meine ich das nicht abstrakt. Ein Unternehmen entsteht nicht durch eine einzelne Person. Und eine Unternehmenskultur bleibt nicht dadurch lebendig, dass sie in einem Gründungsjahr einmal formuliert wurde. Sie entsteht jeden Tag neu: in Entscheidungen, Gesprächen, Widerspruch, Verantwortung und Zusammenarbeit. Nextwork ist heute nicht mehr meine Idee, die von anderen ausgeführt wird. Nextwork ist ein Unternehmen, das von vielen Menschen gemeinsam gestaltet wird. Genau darin liegt meine Zuversicht für die Zukunft. Ich meine konkrete Menschen, die das Unternehmen in den vergangenen Jahren mitgeprägt haben und es weiter prägen werden.
André und Philipp werden die Geschäftsführung von Nextwork weiterführen und gemeinsam den nächsten Abschnitt gestalten. Dabei stehen sie nicht allein. Gemeinsam mit Chris, Finn, Joana, Julian, Maxi, Sabrina, Anna, Kathi, Sarah G. und Tim bilden sie das Team, das Nextwork heute trägt und weiterentwickelt.
Aber auch die vielen Menschen, die in den anderen Bereichen Verantwortung übernehmen, haben Nextwork zu dem Unternehmen gemacht, das es heute ist: Anne, Babsi, Cliff, David, Lara, Laura, Lorenz, Leon, Linda, Lukas, Marc, Mariella, Max, Maximilian, Miriam, Palle, Paul, Sarah L., Stephan, Sophie, Sven, Tobi und Vanessa.
Verantwortung lässt sich nicht vollständig teilen
Mit dem Unternehmen wuchsen nicht nur Umsatz, Team und Möglichkeiten, sondern auch meine Verantwortung. Irgendwann hingen an meinen Entscheidungen nicht mehr nur meine eigene Zeit und mein eigenes Konto, sondern Menschen, Familien, Lebensentwürfe und Vertrauen. Diese Verantwortung verschwand nicht, wenn ich abends den Laptop zuklappte. Sie kam mit nach Hause und manchmal auch mit ins Bett.
Jedes neue Geschäftsjahr begann wieder bei null. Unabhängig davon, wie erfolgreich das vorherige gewesen war. Gute Ergebnisse waren keine Garantie für das nächste Jahr. Ein volles Auftragsbuch nahm nicht automatisch die Unsicherheit. Und eine gute Entscheidung bedeutete nicht, dass danach keine schwierige mehr kam.
Ich habe über viele Jahre gelernt, diese Verantwortung zu tragen. Dabei hatte ich großartige Menschen an meiner Seite, die längst einen wesentlichen Teil davon übernommen haben. Trotzdem blieb in den wirklich großen Fragen eine Einsamkeit, die für mich zur Rolle als Gründer und Inhaber gehörte. Ich konnte mich beraten lassen, zuhören und abwägen. Ich konnte Entscheidungen gemeinsam vorbereiten. Die letzte Konsequenz blieb aber bei mir.
Sehr lange wollte und konnte ich diese Verantwortung tragen. Irgendwann spürte ich, dass der Zeitpunkt näher kam, an dem Nextwork seinen Weg ohne mich fortsetzen und ich meinen eigenen Weg neu beginnen sollte.
Ich habe viele Menschen gehen sehen
In 25 Jahren habe ich fast 100 Menschen eingestellt und viele von ihnen irgendwann auch wieder gehen sehen. Das bedeutet: viele Gespräche, in denen mir jemand gegenübersaß und gesagt hat, dass er oder sie mich und unser Unternehmen verlassen wird.
Manche dieser Menschen fehlen mir heute. Nicht jede Trennung war leicht. Nicht jede Entscheidung habe ich sofort verstanden. Aber ich habe meistens verstanden, warum jemand gehen wollte. Und in vielen Fällen habe ich mich sogar für die Menschen und ihre nächsten Schritte gefreut. Ein neuer Weg wird nicht dadurch falsch, dass er nicht mehr durch Nextwork führt.
Ich kenne das auch anders. Ich habe in Unternehmen gearbeitet, in denen du aus dem Leben deines Chefs ausradiert warst, sobald du gekündigt hattest. Und du hast das auch zu spüren bekommen.
Einmal hatte ich mich sehr gut auf ein solches Gespräch vorbereitet. Ich wollte erklären, warum ich gehen möchte. Es war kurz vor Monatsende, und ich betrat den Raum mit einem Briefumschlag in der Hand. Ein Blick meines Chefs und die Frage, noch bevor wir uns setzten, reichten aus: „Ist es das, was ich denke?“ Ich kam gar nicht dazu, etwas zu erklären. Er verließ den Raum ohne weiteren Blick und sagte: „Dann brauchen wir ja auch nicht groß mehr reden.“
Diese Szene ist mir im Gedächtnis geblieben. Nicht, weil ich damals eine andere Reaktion erwartet hätte. Sondern weil sie gezeigt hat, wie schnell eine lange gemeinsame Geschichte für jemanden enden kann, wenn eine Person die Beziehung offenbar nur so lange als wertvoll empfindet, wie man bleibt.
Und jetzt kündige ich. Jetzt gehe ich sogar aus meinem eigenen Unternehmen. Und ich erlebe zum Glück das, was ich all die vielen Jahre auch versucht habe zu geben: Unterstützung. Verständnis. Interesse an meinem nächsten Schritt. Kein Ausradieren. Keine Strafe dafür, dass ich gehe.
Das ist ein gutes Gefühl. Und es ist gleichzeitig eine ziemlich direkte Rückmeldung darüber, ob die eigenen Überzeugungen im Alltag wirklich gelebt wurden. Ich habe vielleicht nicht nur ein Unternehmen aufgebaut, aus dem ich jetzt gehen kann. Ich habe hoffentlich auch an einer Kultur mitgebaut, in der ein Abschied nicht als Verrat gilt.
Der richtige Moment ist nicht der schwerste Moment
Nextwork ist heute gesund, erfolgreich und steht mit einem starken Team, einer besonderen Kultur und einer klaren fachlichen Position sehr gut da.
Für mich ist genau das der richtige Zeitpunkt. Ich wollte nicht warten, bis äußere Umstände aus einer freien Entscheidung eine notwendige machen. Ich wollte nicht erst gehen, wenn die Energie fehlt, ein Konflikt mich dazu zwingt oder eine Krise keine andere Möglichkeit mehr lässt. Ich wollte diese Reise in einem Moment beenden, in dem ich mit Stolz zurückblicken und mit Vertrauen nach vorne schauen kann.
In den vergangenen zwei Jahren sind Freunde und Menschen, die mir nahestanden, gestorben. Einige von ihnen waren ungefähr in meinem Alter. Seitdem klingt die Frage, was ich mit den nächsten zehn oder zwanzig Jahren meines Lebens anfangen möchte, anders. Nicht dramatischer. Aber dringlicher.
Gleichzeitig habe ich erkannt, dass Nextwork längst die Stärke, die Menschen und die Eigenständigkeit besitzt, um ohne mich weiterzugehen. Diese beiden Entwicklungen trafen zur richtigen Zeit aufeinander. Das Unternehmen war bereit für den nächsten Abschnitt. Und ich war bereit, mir einzugestehen, dass auch meine eigene Reise weitergehen darf.
Zu dieser Entscheidung gehörte für mich deshalb nicht nur die Frage, ob ich Nextwork loslassen kann, sondern auch, in welche Hände ich das Unternehmen gebe. Nextwork ist nun Teil von sequrio und damit beginnt auch für das Unternehmen ein neuer Abschnitt. Was diese Verbindung für Nextwork, unsere Kundinnen und Kunden und die weitere Entwicklung bedeutet, haben Philipp und André in einem eigenen Nextwork Insights Artikel beschrieben.
Ich werde die Übergabe noch bis zum Ende des Jahres begleiten. Danach werde ich nicht mehr Teil des Unternehmens sein. Ich möchte nicht gehen und gleichzeitig aus der Ferne weiterregieren.
Ab dem kommenden Jahr werde ich Nextwork von außen beobachten. Ich werde vermutlich manchmal staunen, manchmal neugierig sein und mich vielleicht an der einen oder anderen Stelle dabei ertappen, wie ich selbst entschieden hätte. Aber ich freue mich darauf, zu sehen, was entsteht, wenn die Menschen, denen ich das Unternehmen anvertraue, ihre eigenen Antworten finden.
Vertrauen heißt auch, die Zukunft nicht festzuschreiben
Ich wurde gefragt, ob ich vertraglich geregelt habe, dass vieles nach meinem Abschied so weitergeführt werden muss, wie ich es für richtig halte. Natürlich war mir nicht egal, in welche Zukunft ich Nextwork entlasse. Im Gegenteil. Die Frage, wie es mit dem Unternehmen, seinen Menschen und seiner Kultur weitergehen kann, war ein wesentlicher Teil meiner Entscheidung. Aber ich glaube nicht, dass man eine gute Zukunft dadurch schafft, dass man sie bis ins Detail aus der Vergangenheit heraus festschreibt. Für mich wäre das kein echtes Loslassen. Ich möchte Nextwork nicht verlassen und gleichzeitig versuchen, seine Zukunft zu kontrollieren. Ich möchte nicht festschreiben, wie ein Unternehmen, das sich weiterentwickeln soll, für immer zu sein hat.
Schon das „Next“ im Namen steht für mich für den Blick auf die nächste Version. Nextwork sollte nie fertig sein. Es sollte sich verändern, verbessern und weiterentwickeln können. Es wäre ein Widerspruch, wenn ich jetzt starre Regeln hinterließe, die das Unternehmen dauerhaft an meine heutige Sicht binden. Das Führungsteam soll gemeinsam mit allen Menschen bei Nextwork entscheiden können, was bewahrt werden soll, was sich verändern muss und was ganz neu entstehen darf. Ich wünsche mir, dass vieles von dem bleibt, was Nextwork besonders macht. Aber ich wünsche mir auch, dass es aus Überzeugung bleibt. Und nicht, weil eine alte Regel von Marco es verlangt.
Auch bei meiner eigenen Nachlassregelung war mir wichtig, meinen Kindern keine Fortsetzung meiner Lebensentscheidungen vorzuschreiben. Ich möchte ihnen Orientierung geben, aber keine Zukunft festlegen, die ihnen nicht gehört. Vielleicht ist das der gemeinsame Kern beider Themen: Verantwortung bedeutet nicht, alles für immer selbst zu bestimmen. Verantwortung bedeutet manchmal auch, gute Voraussetzungen zu schaffen und danach anderen die Freiheit zu lassen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.
25 Jahre, die mich geprägt haben
Was aus meiner nebenberuflichen Selbstständigkeit entstanden ist, habe ich nicht allein geschaffen. Viele Menschen haben Verantwortung übernommen, widersprochen, verbessert, getragen und an die Idee geglaubt. Sie haben aus einem kleinen IT-Dienstleister ein Unternehmen mit eigener Identität gemacht. Und aus einem Arbeitsplatz einen besonderen Ort. Ohne diese Menschen wäre Nextwork nicht das, was es heute ist. Und ohne sie könnte ich heute nicht mit dem Vertrauen loslassen, dass die nächste Version auch ohne mich entstehen wird.
Nach 25 Jahren endet damit meine unternehmerische Reise mit diesem Unternehmen. Das auszusprechen fällt mir nicht leicht. Nextwork war so lange ein fester Teil meines Alltags, meiner Gedanken und meiner Identität, dass der Abschied nicht einfach nur eine organisatorische Veränderung ist.
Ich verabschiede mich nicht nur von einer Rolle. Ich verabschiede mich von einem Teil meines bisherigen Lebens. Gleichzeitig fühlt es sich richtig an, dass diese Geschichte nicht in einem Tiefpunkt endet, sondern in einem der stärksten Momente des Unternehmens.
Ich gehe nicht, weil etwas kaputt ist. Ich gehe, weil mein Teil dieser Reise zu Ende ist.
Bis zum Jahresende werde ich noch mittendrin sein: übergeben, erklären, zuhören und mich verabschieden. Danach werde ich zum ersten Mal von außen auf das Nextwork schauen, das aus meiner Selbstständigkeit entstanden ist und längst viel größer geworden ist als meine eigene Geschichte.
Ich bin gespannt auf das, was dort ohne mich entsteht.
Und ich beginne langsam zu verstehen, dass genau darin vielleicht der schönste Beweis liegt, dass diese 25 Jahre erfolgreich waren. Nicht darin, dass Nextwork für immer so bleibt, wie ich es aufgebaut habe. Sondern darin, dass es weiterwachsen darf, nachdem ich gegangen bin.

