Ich erinnere mich manchmal an die Zeit vor EO. An die Momente, in denen ich als Unternehmer mit manchen Themen ziemlich allein war. Nicht, weil ich keine Freunde hatte. Sondern weil es Dinge gab, über die ich mit niemandem wirklich sprechen konnte.
Manchmal waren es sogar die ganz großen Erfolge. Momente, über die ich mich unglaublich gefreut habe, die ich aber kaum mit jemandem teilen konnte. Auch weil ich nicht der Typ bin, der mit seinem Erfolg hausieren geht. Und weil ich nicht wollte, dass meine Freude beim Gegenüber wie Angeberei ankommt. Vor allem aber waren es die schwierigen Zeiten. Meine Scheidung. Der Tod eines Freundes. Herausforderungen mit meinen Kindern. Oder Situationen innerhalb meines Unternehmens, die mich beschäftigt haben und für die es außerhalb der Unternehmerwelt oft keinen richtigen Platz gab.
Natürlich hatte ich Menschen um mich herum. Gute Freunde, Familie, Menschen, denen ich vertraue. Aber manchmal braucht es Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die verstehen, ohne dass man erst die ganze Geschichte erklären muss. Und bei denen man weder seine Sorgen kleinreden noch seine Erfolge relativieren muss.
Seit fünf Jahren bin ich Mitglied bei EO, der Entrepreneurs‘ Organization. Und je länger ich dabei bin, desto deutlicher wird mir, wie wertvoll es ist, einen solchen Ort gefunden zu haben.
Für manche Gespräche braucht es die richtigen Menschen
Im Freundes- und Bekanntenkreis gibt es viele gute Gespräche. Aber es gibt Themen, für die dort oft kein Platz ist. Nicht, weil die Menschen nicht zuhören wollen. Sondern weil man sich gegenseitig schont, weil die Situation komplizierter ist, als man sie in einem Satz erklären kann, oder weil man selbst nicht weiß, wie es klingt, wenn man sagt: Ich komme gerade nicht klar.
Bei EO sprechen wir von den sogenannten „5 %“. Das sind die Dinge, über die wir normalerweise nicht sprechen. Die Sorgen, Ängste und Fragen, die unter der Oberfläche liegen. Oft haben sie mit dem Unternehmen zu tun, manchmal überhaupt nicht. Und trotzdem beeinflussen sie uns als Unternehmer und als Menschen. Für solche Gespräche gibt es bei EO das Forum. Eine kleine, feste Gruppe von Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich regelmäßig trifft und über Jahre ein besonderes Vertrauen aufbaut.
Ich will das nicht größer machen, als es ist. Ich war früh in Therapie und habe auch mit Business-Coaches gearbeitet. Beides hat mir viel gebracht. Aber es ist etwas anderes. Eine Therapie ist keine Gemeinschaft von Menschen, die ähnliche unternehmerische Erfahrungen machen. Ein Coach ist kein Kreis, in dem man sich über Jahre kennt, gemeinsam durch Höhen und Tiefen geht und erlebt, wie sich Menschen entwickeln.
Was ich bei EO gefunden habe, ist noch einmal etwas anderes: Menschen, bei denen ich keine Rolle spielen muss. Bei denen ich nicht der Unternehmer, Geschäftsführer oder Problemlöser sein muss. Sondern einfach Marco sein kann. Und das gilt für mich nicht nur im Forum, sondern inzwischen auch für viele Menschen innerhalb der gesamten EO-Gemeinschaft.
Ist das Therapie? Nein. Aber manchmal fühlt es sich verdammt nah dran an.
Zuhören statt Ratschläge
Was ich an EO besonders schätze, ist etwas, das auf den ersten Blick ganz unspektakulär klingt: Ich bekomme keine Ratschläge. Und das ist unglaublich wertvoll.
Wie oft erzählt man jemandem von einer schwierigen Situation und bekommt sofort eine Antwort darauf, was man jetzt am besten tun sollte? Meistens gut gemeint. Aber oft ist das überhaupt nicht das, was ich brauche. Manchmal möchte ich einfach nur erzählen. Meine Gedanken sortieren. Aussprechen, was mich beschäftigt. Ohne dass jemand gleich versucht, mein Problem zu lösen.
Bei EO funktioniert das anders. Statt Ratschläge zu geben, teilen wir Erfahrungen. Wenn ich von einer Herausforderung erzähle, berichtet vielleicht jemand anderes von einer Situation, in der er oder sie sich ganz ähnlich gefühlt hat. Was damals passiert ist, welche Gedanken und Gefühle damit verbunden waren und wie die Person damit umgegangen ist. Und manchmal erkenne ich mich in der Geschichte eines anderen Menschen wieder, obwohl unsere Lebensumstände völlig unterschiedlich sind.
Das ist ein riesiger Unterschied. Denn ich bekomme keine Antwort darauf, was ich tun soll. Ich bekomme eine andere Perspektive auf meine eigene Situation. Und das hilft mir oft viel mehr als jeder noch so gut gemeinte Ratschlag. Ich muss niemanden überzeugen, dass meine Situation schwierig ist. Ich darf sie einfach so stehen lassen und selbst herausfinden, was ich daraus mache.
Vielleicht ist genau das eine der wertvollsten Erfahrungen, die ich bei EO gemacht habe: Nicht jedes Problem braucht sofort eine Lösung. Aber manchmal braucht es jemanden, der wirklich zuhört.
Hinter jeder Fassade steckt eine Geschichte
Früher habe ich manchmal gedacht, andere Unternehmer hätten ihre Herausforderungen besser im Griff. Erfolgreiche Unternehmen, selbstbewusste Auftritte, scheinbar klare Entscheidungen. Von außen sieht vieles einfacher aus, als es tatsächlich ist. Heute weiß ich, dass hinter jeder noch so erfolgreichen Fassade Geschichten stecken, die man nicht sieht. Dass Menschen, die nach außen unglaublich souverän wirken, manchmal mit denselben Ängsten, Zweifeln und persönlichen Herausforderungen kämpfen wie man selbst.
Ich kenne auch Unternehmerinnen und Unternehmer, für die ein solcher Ort nicht existiert. Die niemanden haben, mit dem sie wirklich offen über Geld, Angst, Partnerschaft oder Gesundheit sprechen können. Die vieles mit sich selbst ausmachen, weil sie es so gelernt haben oder weil sie glauben, dass man als Entrepreneur eben funktionieren muss. Wenn ich von EO erzähle, merke ich, wie unterschiedlich Menschen darauf reagieren. Manche sagen: Das brauche ich nicht. Andere sagen: Genau so etwas fehlt mir.
Für mich ist eine der größten Erkenntnisse aus diesen fünf Jahren, dass wir mit unseren Herausforderungen oft viel weniger allein sind, als wir glauben. Wir wissen es nur nicht, solange niemand darüber spricht.
Nicht nur Forum, sondern eine ganze Welt
Ich bin von Anfang an nicht nur wegen meines Forums bei EO. So wertvoll dieser kleine Kreis für mich ist, so sehr liebe ich auch die internationale Gemeinschaft dahinter. Ich besuche Learning Events, bin bei Veranstaltungen von EO Europe dabei und freue mich jedes Jahr besonders auf die Global Leadership Conference, kurz GLC. Die GLC ist für mich inzwischen ein Pflichttermin. Sie bringt mich jedes Jahr an neue Orte auf der Welt. Die vergangenen Konferenzen haben mich unter anderem nach Kapstadt, Singapur und Dublin geführt. Im April 2027 geht es nach Kyoto. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Dazu kommen die European Leadership Conferences, kurz ELC, bei denen ich unter anderem in Paris und Genf war, oder Formate wie die EO Unlimited, die dieses Jahr in Kraków in Polen stattgefunden hat. Es gibt so viele Möglichkeiten, innerhalb dieser Gemeinschaft über das eigene Forum und das eigene Chapter hinauszuwachsen.
Was mich dabei immer wieder begeistert, sind die Menschen und die Gespräche. Anders als auf vielen klassischen Businessveranstaltungen geht es nicht darum, wer den größten Umsatz macht, die meisten Mitarbeitenden hat oder das erfolgreichste Unternehmen führt. Natürlich sprechen wir über unsere Unternehmen. Aber genauso über unsere Familien, persönliche Krisen, Zweifel, Beziehungen und die Fragen, die uns gerade beschäftigen. Und manchmal sitzt du einem Menschen gegenüber, den du vor zehn Minuten noch nicht gekannt hast, und führst plötzlich ein Gespräch, das du mit manchen langjährigen Bekannten noch nie geführt hast.
Das ist für mich typisch EO. Es funktioniert, weil Vertrauen und Vertraulichkeit zu den wichtigsten Grundsätzen dieser Gemeinschaft gehören. Was wir miteinander teilen, bleibt unter uns. Trust and Respect.
Ich liebe das.
In diesen fünf Jahren habe ich unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt. Aus Begegnungen wurden Bekanntschaften, aus manchen Bekanntschaften Freundschaften. Und aus einigen sind echte Verbindungen entstanden, die weit über EO und alles Geschäftliche hinausgehen.
Dazu kommt eine weitere Besonderheit, die ich sehr schätze: Fast überall auf der Welt gibt es EO-Chapter mit Menschen vor Ort, die ihre Stadt, ihre Kultur und ihre Gemeinschaft mit uns teilen. Dadurch öffnen sich Türen, die einem als normalem Touristen wahrscheinlich verschlossen bleiben würden. Es entstehen Begegnungen und Einblicke abseits der üblichen Konferenzprogramme und Sehenswürdigkeiten. Und manchmal sind es gerade diese Erlebnisse, die am längsten in Erinnerung bleiben.
Für mich ist EO deshalb längst mehr als mein Forum in München. Es ist eine weltweite Gemeinschaft, in der ich mich an erstaunlich vielen Orten zu Hause fühlen kann.
Ein sicherer Raum ist nicht automatisch ein bequemer Raum
Bei aller Begeisterung möchte ich eines nicht verschweigen: EO ist kein Selbstläufer. Nur weil man Mitglied wird, bekommt man nicht automatisch eine Gruppe von Menschen geschenkt, die einen auffängt, herausfordert und durchs Leben begleitet. Vertrauen braucht Zeit. Und Offenheit braucht Mut.
Verletzlich zu sein ist eine Entscheidung. Ich muss bereit sein, mich zu zeigen. Auch mit den Seiten, auf die ich nicht besonders stolz bin. Mit meinen Fehlern, meinen Unsicherheiten und den Dingen, die ich vielleicht lieber für mich behalten würde. Das ist manchmal verdammt unbequem. Und genau deshalb ist es so wertvoll.
Wer bei EO vor allem neue Kunden, Geschäftskontakte oder eine Bühne für den eigenen Erfolg sucht, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Zum Glück. Denn der eigentliche Wert dieser Gemeinschaft entsteht gerade dadurch, dass es nicht um Umsatz, Status oder Selbstdarstellung geht. Sondern um den Menschen dahinter.
Man muss nicht immer stark sein. Man muss nicht immer eine Antwort haben. Und man muss auch nicht so tun, als wäre alles in Ordnung. Aber man muss bereit sein, ehrlich zu sein. Vor allem zu sich selbst.
Was nach fünf Jahren bleibt
Ich will nicht behaupten, EO hätte aus mir einen völlig anderen Menschen gemacht. Aber ich bin überzeugt, dass ich durch diese Gemeinschaft ein besserer Unternehmer geworden bin. Und ich glaube, auch ein besserer Mensch.
Ich habe in diesen fünf Jahren unglaublich viel über mich selbst gelernt. Über meine Stärken, aber vor allem auch über meine Schwächen. Und über Fehler, die ich gemacht habe, ohne sie damals überhaupt als Fehler zu erkennen. Das ist vielleicht eine der unbequemsten Erkenntnisse überhaupt: zu merken, dass die eigene Sicht auf eine Situation nicht unbedingt die richtige ist. Dass man selbst manchmal Teil des Problems war, obwohl man lange überzeugt war, alles richtig gemacht zu haben.
Die Erfahrungen anderer Menschen haben mir dabei oft einen Spiegel vorgehalten, ohne dass sie das überhaupt beabsichtigt haben. Nicht durch Kritik oder gut gemeinte Ratschläge, sondern einfach dadurch, dass sie ihre eigenen Geschichten geteilt haben. Ich habe mich darin wiedererkannt, Dinge hinterfragt und manchmal erst viel später verstanden, was das eigentlich mit mir zu tun hatte.
Ich habe gelernt, genauer zuzuhören. Andere Perspektiven zuzulassen. Nicht sofort Lösungen anbieten zu müssen. Und vor allem, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, Herausforderungen mit anderen zu teilen.
Ich habe gelernt, Krisen nicht allein zu tragen. Und ich habe gemerkt, dass auch große Erfolge einen Ort brauchen, an dem man sie aussprechen darf. Ohne sich kleiner zu machen. Ohne sich erklären zu müssen. Und ohne Angst, als Angeber dazustehen.
In den vergangenen fünf Jahren gab es Momente, in denen ich unendlich dankbar war, diesen Kreis zu haben. Gerade dann, wenn das Leben schwierig war. Aber genauso gab es diese wunderbaren Augenblicke, in denen andere sich einfach mit mir gefreut haben. Ganz ohne Neid, Vergleiche oder Erwartungen. Beides ist für mich unglaublich wertvoll. Und beides ist alles andere als selbstverständlich.
Und falls jetzt jemand auf den Werbebanner für EO wartet: Nein, den gibt es hier nicht. Darum soll es in diesem Artikel auch gar nicht gehen. Ich möchte keine Mitglieder werben oder jemanden davon überzeugen, dass EO das Richtige für ihn ist. Nicht jede Gemeinschaft passt zu jedem Menschen. Und nicht jeder ist zu jeder Zeit bereit für diese Art von Offenheit. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich EO natürlich gerne einmal anschauen. Aber mir geht es um etwas anderes.
Manchmal denke ich an den Unternehmer zurück, der ich vor fünf Jahren war. An die Dinge, die ich damals mit mir selbst ausgemacht habe. Und ich würde ihm gerne sagen: Du musst das nicht alles allein tragen.
Heute bin ich vor allem für eines dankbar: für Menschen, bei denen ich einfach Marco sein darf.
Und ich glaube, dass jeder Unternehmer einen solchen Ort verdient. Egal, ob er EO heißt oder anders.

