B Corp Month 2026: Warum Freiwilligkeit gerade jetzt zählt

Es ist Ende März, der B Corp Month neigt sich dem Ende zu – und ich schaffe es gerade noch rechtzeitig, meinen Beitrag dazu zu veröffentlichen. Besser spät als gar nicht. Und ehrlich gesagt passt das ganz gut, denn dieser Artikel ist kein schnelles Statement, sondern etwas, das mir wirklich am Herzen liegt.

Kurzer Rückblick: Nextwork und B Corp

Wer mich kennt oder diesen Blog verfolgt, weiß: Nextwork ist seit 2023 eine zertifizierte B Corp. Ich habe damals ausführlich geschrieben, warum… – und auch, warum wir so weit gegangen sin…. Der Moment, wenn die Notarin fragt: „Wollen Sie das wirklich tun?“ – ja, wollten wir. Und wir würden es jederzeit wieder tun.

Für mich war und ist die B Corp-Zertifizierung mehr als ein Label. Es ist ein Rahmenwerk, das uns zwingt, ehrlich hinzuschauen. Auf unsere Governance, auf unsere Mitarbeitenden, auf unsere Community, auf unsere Umwelt. Und das alle drei Jahre aufs Neue.

Rezertifizierung: Es geht wieder los

Und genau da stehen wir jetzt. Die Rezertifizierung steht an. Alle drei Jahre muss man als B Corp erneut beweisen, dass man die Standards erfüllt – und idealerweise besser geworden ist. Das ist kein Selbstläufer. Es bedeutet: Daten sammeln, Prozesse hinterfragen, sich ehrlich fragen, wo man besser geworden ist und wo nicht.

Ich freue mich darauf. Nicht weil es einfach ist, sondern weil es uns besser macht. Die B Impact Assessment ist für mich eines der besten Werkzeuge, die es gibt, um als Unternehmen wirklich zu verstehen, wo man steht.

Mehr als ein Zertifikat

Wir leben B Corp bei Nextwork nicht nur intern, wir tragen es auch nach außen. Wir beraten Unternehmen auf ihrem Weg zur B Corp-Zertifizierung. Wir helfen ihnen zu verstehen, was B Corp eigentlich bedeutet, was der B Impact Assessment von ihnen verlangt und wie sie sich darauf vorbereiten können.

Wir haben bei Nextwork insgesamt vier B Leader – also Menschen, die sich intensiv mit der B Corp-Bewegung auseinandersetzen und die Community aktiv mitgestalten. Letztes Jahr haben wir ein B Together Event gehostet, bei dem sich B Corps und interessierte Unternehmen austauschen konnten. Solche Momente zeigen mir, wie lebendig diese Community ist.

Wir haben u.a. Zeit für Brot auf ihrem Weg zur B Corp-Zertifizierung begleitet. Und das sogar komplett pro bono. Ein umfangreiches Projekt, bei dem wir beim B Impact Assessment unterstützt und den Zertifizierungsprozess begleitet haben. Ohne Rechnung. Weil wir daran glauben, dass Unternehmen, die es ernst meinen, Unterstützung verdienen. Und weil es uns als Nextwork auch selbst weiterbringt. Jedes Projekt lehrt uns etwas Neues.

Neben B Corp unterziehen wir uns seit mehreren Jahren freiwillig auch der EcoVadis-Bewertung. Zuletzt haben wir die Platin-Medaille erhalten. Für ein Beratungsunternehmen unserer Größe ist das keine Selbstverständlichkeit. Aber es zeigt: Wenn man es ernst meint, dann lässt man sich auch von verschiedenen Seiten messen. B Corp und EcoVadis ergänzen sich hervorragend – unterschiedliche Perspektiven, gleiches Ziel.

Der Elefant im Raum: Nachhaltigkeit als Luxusthema?

Jetzt kommt der Teil, der mir weniger leicht fällt. Aber er gehört dazu, weil ich auf diesem Blog immer ehrlich bin.

Nachhaltigkeit ist in den letzten Monaten leiser geworden. Die Nachfrage nach Nachhaltigkeitsberatung geht zurück. Andere Themen dominieren: geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftlicher Druck, der Fokus auf kurzfristige Ergebnisse. Nachhaltigkeit wird zunehmend als Luxusthema wahrgenommen. Das tut weh, aber ich verstehe es.

Dazu kommt die Omnibus-Entscheidung zur CSRD. Die ursprüngliche Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde gelockert, der Kreis der betroffenen Unternehmen deutlich verkleinert. Und was passiert, wenn die Pflicht wegfällt? Genau – viele Unternehmen atmen auf und legen das Thema erstmal beiseite.

Und ich sage ganz ehrlich: Ich kann das nachvollziehen. Wenn eine Verpflichtung wegfällt, die vielen Unternehmen ohnehin aufgezwungen wurde, dann ist es menschlich, sich anderen Dingen zuzuwenden. Ich will auch gar nicht so tun, als wären CSRD-Pflichtprojekte immer die schönsten Projekte gewesen. Wenn Unternehmen nur berichten, weil sie müssen, und nicht weil sie wollen – dann fehlt die Seele. Das sind auch für uns als Beratende keine Projekte, die besonders Spaß machen.

Mein Plädoyer: Freiwilligkeit statt Pflicht

Aber genau deshalb möchte ich hier für etwas anderes plädieren: Freiwilligkeit.

Ich glaube, dass wir uns als Unternehmerinnen und Unternehmer die Frage stellen sollten: Was ist uns wirklich wichtig? Brauchen wir eine gesetzliche Pflicht, um verantwortungsvoll zu handeln? Oder können wir nicht auch freiwillig einen Schritt gehen – weil es richtig ist?

B Corp ist genau das: eine freiwillige Entscheidung. Niemand zwingt uns dazu. Wir machen es, weil wir überzeugt sind, dass gutes Unternehmertum mehr bedeutet als Gewinnmaximierung. Wir machen es, weil wir unseren Mitarbeitenden, unseren Kunden und unserer Community zeigen wollen, dass es uns ernst ist.

Und ich bin überzeugt: Die Zeit wird wiederkommen. Regulierung wird zurückkehren – vielleicht in anderer Form, vielleicht strenger. Und dann wird es einen enormen Unterschied machen, ob man bei null anfängt oder bereits eine solide Basis hat. Wer heute freiwillig handelt, hat morgen einen Vorsprung. Nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich.

Wir sind bereit

Nextwork ist bereit. Bereit für die Rezertifizierung. Bereit, andere Unternehmen auf ihrem Weg zu begleiten. Bereit, auch in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit nicht gerade Hochkonjunktur hat, dranzubleiben.

Weil es richtig ist. Weil es uns besser macht. Und weil ich fest daran glaube, dass Unternehmen eine Kraft für das Gute sein können – wenn sie es wollen.

In diesem Sinne: Happy B Corp Month. Auch wenn er fast vorbei ist. 🧡


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